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Eine Kennzahl für die Abwärmenutzung Was ist der Energy Reuse Factor (ERF)?

Von lic.rer.publ. Ariane Rüdiger 2 min Lesedauer

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Rechenzentren erzeugen viel Wärme. Wer ihre Effizienz weiter heben will, muss sie nutzen. In welchem Umfang das geschieht, misst der Energy Reuse Factor (ERF).

Wie viel der in Form von Abwärme entweichenden Energie weitergenutzt wird, beschreibt der ERF.(Bild:  frei lizenziert/5317367 /  Pixabay)
Wie viel der in Form von Abwärme entweichenden Energie weitergenutzt wird, beschreibt der ERF.
(Bild: frei lizenziert/5317367 / Pixabay)

Computer verwenden beim Rechnen nur relativ wenig der aufgenommenen elektrischen Energie zum Rechnen. Deshalb entsteht viel Abwärme, die dann heruntergekühlt und/oder abtransportiert oder besser anderweitig genutzt werden sollte.

Der Umgang mit Stromzufuhr, Kühlung und Abwärmenutzung spiegelt sich in einigen Parametern wieder. Der bekannteste ist die PUE (Power Usage Effectiveness). Sie beschreibt das Verhältnis von Gesamtenergie des Rechenzentrums zu Kühlenergie. Hier werden inzwischen von gut designten und betriebenen Rechenzentren Werte um und unter 1,2 erreicht. Viel mehr geht bis jetzt aus physikalischen Gründen nicht.

Abwärmenutzung als Effizienzhebel

Wer effizienter werden will, muss also mehr und auf anderen Gebieten tun. Das wohl wichtigste davon ist – neben effizienterer Hard- und Software, wobei letztere noch in den Kinderschuhen steckt – die Abwärmenutzung. In welchem Umfang sie stattfindet, misst der Energy Reuse Factor (ERF).

Standardisiert wurde die Berechnung dieses Parameters erstmalig in DIN EN 50600-4-6/VDE 0801-600-4-6:2020-11. Inzwischen existiert aufbauend darauf auch eine entsprechende ISO-Norm, ISO/IEC 30134-6.

ERF und ERE

Der ERF gibt das Verhältnis zwischen der Menge der wiederverwendeten Energie zu der insgesamt im Rechenzentrum verbrauchten Energie an. Dabei ist tatsächlich die Datacenter-Gesamtenergie gemeint, also einschließlich aller energieverbrauchenden Einheiten (IT, Kühlung/Klimatisierung/Notstrom/Beleuchtung etc.).

Zu unterscheiden davon ist die ERE (Energy Reuse Efficiency), bei deren Berechnung die PUE mit ERF multipliziert wird. Dieser Wert ist nicht normiert. Er wurde bereits im Jahr 2010 von The Green Grid vorgeschlagen.

Blauer Engel für Rechenzentren fordert ERF >0

ERF als Parameter hat auch Eingang in die erneuerten Kriterien des 'Blauen Engel für Rechenzentren' gefunden: Der ERF sollte bei Rechenzentren, die nach dem 1.1.23 in Betrieb gingen, größer Null sein.

Dieses Kriterium ist aber schon erfüllt, wenn ein kleiner Teil der Abwärme verwendet wird, um beispielsweise eigene Räume zu heizen oder den Notstrom-Generator vorzuwärmen. Insofern dürfte es keine unüberwindliche Hürde darstellen.

ERF im Energie-Effizienzgesetz

Im Energie-effizienzgesetze finden sich Vorgaben für den ERF. Sie wurden gegenüber den ursprünglich geplanten Vorgaben erheblich abgeschwächt.

Nun sollen ab 1. Januar 2026 eröffnete Rechenzentren mindestens 10 Prozent ihrer Energie wiederverwenden. Ab 1. Januar 2027 eröffnete müssen mindestens 15 Prozent wiederverwenden und ab 1. Januar 2028 in Betrieb genommene Rechenzentren mindestens 20 Prozent.

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